01.01.2013

Der Telekommunikationsmoloch schlägt zu


Dieses Land ist, so redet es uns zumindest die Kanzlerin immer und immer wieder ein, ein Hochtechnologieland. Und Hochtechnologie ist heutzutage abhängig von Kommunikation. Da wird investiert und investiert, damit die Kommunkation, vor allem die sogenannte Telekommunikation optimiert und beschleunigt wird. Daß hinter der Kommunikation eigentlich Informationsfitzelchen stecken, die von Menschen erzeugt werden und an Menschen weitergegeben werden sollen, merkt keiner mehr. Die Telekommunikation ist scheinbar zum Selbstzweck geworden. Und dafür gibt es Unternehmen, sogenannte Telekommunikationsunternehmen, die dem Bürger diesen Selbstzweck durch bunte und laute Werbebotschaften in unseren Innenstädten schmackhaft machen wollen. Eine Innenstadt, die mehr Lebensmittelläden als Telekommunikationsläden hat, kenne ich gar nicht mehr.


Solange man sich als Kunde dem Selbstzweck des Molochs unterwirft und treu und brav das tut, was man heute „kommunizieren“ nennt, ist alles in Ordnung. Aber wehe, man möchte einen Service in Anspruch nehmen, der nicht Neuabschluß oder Erweiterung eines Vertrages ist. Dann haben die Telekommunikationsunternehmen plötzlich gar keine Kommunikationskanäle mehr. Auf so etwas sind sie nicht vorbereitet. Dann haben sie plötzlich kein Telefon mehr. 
 

Und so bleibt oft nur der klassische Brief auf Papier an den Vorstandsvorsitzenden des Telekommunikationsunternehmens, der dann gereizt auf solche Kunden reagiert und den Kunden sagt, daß er sie eigentlich garnicht mehr haben will. Und der dann ein Sonderkündigungsrecht einräumt, auf daß er von diesem renitenten Kunden bloß nichts mehr hören möge.

Aber kennt man eines, kennt man alle: Wer denkt, daß es bei einem anderen Unternehmen besser wird, ist arm dran. Man gerät nicht einmal in die Fänge eines anderen Molochs – nein es ist nur ein anderer Arm desselben Molochs. Wo der Kunde die Dienstleistung unbedingt benötigt, braucht man diese nicht mehr mit Service zu schmücken. Der Kunde muß halt hinnehmen, was er kriegt.

Und so kommt es, daß es in diesem Lande immer noch möglich ist, daß der eine Arm des deutschlandweiten Molochs einen Portierungsauftrag mit zweifelhaften Mitteln unter Nichtbeachtung des Sonderkündigungsrechtes hinauszögert und der andere Arm des Untiers dieses entweder überhaupt nicht bemerkt oder es schlicht nicht nötig hat, seinem frisch gewonnenen Kunden ein eventuelles Problem mitzuteilen.

Da wird jede Menge Geld für Kundenwerbung ausgegeben – und wenn der Kunde dann unterschrieben hat, muß man sich nicht mehr um ihn kümmern.

Da wird jede Menge Geld für Kommunikationstechnik ausgegeben, man kann Kundendaten weltweit verschieben, aber wenn ein Mitarbeiter dem anderen eine relevante Information zukommen lasssen müßte ….. dann klappt das nicht.

Weil die Kommunikationsmittel nicht für Ausnahmen eingerichtet sind, weil systemgetriebene und vom System überwachte Mitarbeiter Informationen außerhalb des Systems gar nicht mehr mental erfassen, geschweige denn verarbeiten können.

Und so hilft beim nächsten Unternehmen hoffentlich auch wieder der Brief an den nächsten Vorstandsvorsitzenden.

Es ist eigentlich verwunderlich, daß in unserem Lande überhaupt noch jemand telefonieren kann …

Es war nicht alles schlecht, als wir noch ein Monopol hatten. Zumndest die penetrante Werbung würde wegfallen und man könnte die ganzen Werbeleute als #Telefonhörerdesinfizierer beschäftigen. 
Oligopole sind scheints noch schlimmer als Monopole.

Aber das hat man halt davon, wenn der Staat menschliche Grundbedürfnisse in neoliberaler (ach, wie wird das schöne Wort liberal von diesen Neoliberalen beschmutzt) Manier dem ach so tollen freien Spiel der Märkte überlässt. 

Update 20130116: Fortsetzung hier

Kommentare:

  1. Also ich habe vor einigen Tagen auch einen Brief an einen Vorstandsvorsitzenden geschrieben. Was ich mir davon erwarte? Nichts! Warum ich ihn dann geschrieben habe? Weil ich meinen Zorn darüber mildern musste, dass Service in diesem Lande so gross geschrieben und mit Werbung vollgekleistert wird, dass dabei vergessen wurde, was Service am Kunden eigentlich bedeutet.

    Und nur so lange wir nicht müde werden, diese Briefe zu schreiben, können wir uns der Hoffnung hingeben, dass sich etwas ändern ließe, würden mehr Briefe geschrieben werden ...

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  2. Ich erwarte eine Problemlösung. Mehr nicht.

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  3. Du meinst aber jetzt nicht, dass mir das anders ginge. Nun - Tatsache ist und bleibt, dass der Service in Germoney aktuell besonders schlecht ist.

    Anderes leidiges Thema - ich erinnere mich jetzt wieder, warum ich so wenig auf Blogspot-Blogs kommentiere - weder wird mein Blog noch meine Open ID erkannt und nach dem Kommentar dann noch eine Anfrage mit zwei (für mich) schlecht lesbaren/hörbaren Worten ist einfach zu viel des Guten - also meistens jedenfalls ...

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