17.12.2013

Gedenken an Willy Brandt

Willy Brandt würde morgen seinen 100. Geburtstag feiern. 

http://de.wikipedia.org/wiki/Willy_Brandt
http://www.willy-brandt.de/willy-brandt.html

Willy Brandt war DER Sozialdemokrat vom alten Schlag, streitbar, kantig, auch umstritten und ja, er ist oft und auch heftig angeeckt. Sein Leben war geprägt von Brüchen und Widersprüchen. Aber mit einer klaren Richtung. Er war ein Redner und ein Zuhörer.

Er hat sich bewußt mit Politikern umgeben, die ihm geistig mindestens ebenbürtig waren und teilweise bis heute (Erhard Eppler zum Beispiel) noch wesentliche Beiträge zur politischen Diskussion liefern, und nicht mit Marionetten und Bauchrednerpuppen, wie man sie in Form von Krokodilen, lustigen Entlein oder sogar mit menschenähnlichem Gesicht so oft in Fernsehshows bestaunen kann. Und er hat sich mit diesen Menschen  konstruktiv um seine Politik gestritten. 


Diejenigen seiner Nachfolger in politischen Ämtern, 
  • die sich auf ihn berufen, 
  • die ihr Hauptquartier sogar im Willy-Brandt-Haus bezogen haben und 
  • die sich gerne vor der großen Willy-Brandt-Statue oder noch symbolischer gar im alles überdeckenden großen Schatten der Willy-Statue ablichten lassen,
die treiben Schindluder mit seinem Namen und seinem Andenken. Ich warte sehnsüchtig darauf, daß heute Konstantin Wecker aus dem Gebüsch springt und "Gestern ham se den Willy verrodn ..." singt.
   
O.J.HAJEK, Hommage a Willy Brandt. 
Zum Friedensnobelpreis 1971
Der Friedensnobelpreis 1971, der Bundestagswahlkampf 1972 und Willys Rücktritt 1974 waren mit das Erste, was ich in meinem Leben von Politik mitbekommen habe. Willy Brandt ist 1974 zurückgetreten, weil ein ausländischer Geheimdienst einen Spion einschleuste, der einige Informationen an seine Auftraggeber weitergab. Heute tritt nicht einmal jemand zurück, wenn ein angeblich "befreundeter" ausländischer Geheimdienst gleich ALLE Informationen nach Hause sendet. Noch nichtmal ein Bauernopfer gibt es. Tempora mutantur. The times, they're a'changing.

In den späten 60ern war endlich -eine große Zahl junger Menschen, die die Nazis nicht mehr erlebt hatten und auch nicht verstrickt waren, durfte wählen- die Zeit gekommen, daß man "mehr Demokratie wagen" konnte. Das war damals ein Wagnis und man kann die entrüsteten Reaktionen auf diese Forderung heute noch nachlesen. 
Heute wird echte Demokratie von den Weltuntergangspropheten vom Schlage eines Friedrich und eines Pofalla, die die Menschen von der politischen Willensbildung fernhalten wollen, wieder zum Wagnis für den Einzelnen gemacht und sogar zur Gefahr für unseren schönen Rechtsstaat (schön und recht zumindest für die, die zumeist wohlgesättigt sonntagsabends bei Jauch in der Talkshow sitzen) erklärt. 
Es ist also wieder an der Zeit, für mehr Demokratie einzutreten. Gerade in diesen Zeiten, in denen wir doch weisgemacht bekommen, daß die Sicherheit vorgeht. 

Und genau deshalb brauchen wir Menschen, die wie Willy Brandt sagen: 
Wir stehen nicht am Ende unserer Demokratie, wir fangen erst richtig an

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