01.08.2016

Durchblickdienstleister

(inspired by one, two and three)

Wie ist das eigentlich mit diesen Optikerketten? 
Tolle Werbung machen sie ja alle: 

Der eine hat angeblich meine Wünsche im Blick, der andere wirbt mit einer auch für dreiviertelsblinde noch gut erkennbaren kräftigen Farbe und der Dritte wirbt überhaupt nur noch mit Bildern schöner Menschen.  
Thematisch nicht passender Einschub:

Da fällt mir gerade auf ... auf deren Webseiten finde ich nur hellhäutige Menschen, keinen der zB asiatisch aussieht, keinen "Südeuropäer" und erst recht keinen Farbigen, muß mir das was sagen?
Vieles haben sie aber alle gemein: 
  • Man will eigentlich nur eine Brille und kommt am Ende mit einer Brille und einem ganzen Wust von Unterlagen wieder raus: Gutscheine für Zweite und sogar dritte(!) Brillen, die schon mit der eigentlich gewollten Brille mitbezahlt sind (wollte niemand, kriegt er aber automatisch), dazu Versicherungsunterlagen für Dinge, die man nie wollte, die aber auch schon mitbezahlt sind.
  • Man erfährt eigentlich nicht wirklich, was für ein Brillenglas man kauft, sie hüllen sich da wirklich in einen Mantel der Verschleierung. "Ein deutscher Markenhersteller" muß genügen. Oder "HOYA" oder "PENTAX", dann aber gaaaanz abschätzig ausgesprochen, als wenn "ein deutscher Markenhersteller" automatisch den einen oder anderen Mehr-Hunderter rechtfertigen würde.
  • Preislich seien sie alle günstig, versichern sie sich gegenseitig ... aber haben dafür ein Preissystem, das zB mittels der gleich mitbezahlten Gutscheine für Zweit- und Drittbrillen völlig intransparent und unvergleichbar wird. "Ich will einfach nur eine Brille" ... nahezu undenkbar und nur nach heftigem Insistieren kann man einen Preis erfahren.  
Lassen wirs ... jedenfalls war ich mit einer solchen Kettenbrille aus der großen Stadt und dem dazugehörigen Service unzufrieden: die Metallbeschichtung blätterte immer ab, man hat dann angeblich ein völlig neues Gestell bestellt. Wie sich herausstellt, hatte man das alte Gestell miserabelst(!) neu beschichten lassen und die neue Beschichtung blätterte auch ab und untendrunter waren die alten Abblätterungen dank leicht unterschiedlicher Farbe wunderbar zu sehen - jeder Archäologe hätte sich gefreut.

Also bin ich zur hier ansässigen Konkurrenzkette, die mir vorher auch schon mal Unmuße bereitet hatte: Mit deren Brille war es einfach nicht möglich, mit beiden Augen auf denselben Punkt zu fokussieren. Auch nicht nach angeblicher Nachbesserung, immerhin bekam ich anstandslos mein Geld zurück. Aber gut ... zweite Chance, obwohl ich mir ziemlich sicher war, daß die angebliche Nachbesserung keine war und man den Kunden für blöd verkaufen wollte.

Im Laden dann eine halbe Stunde gewartet, alle Leute waren tatsächlich beschäftigt, aber niemand hat wenigstens auf einen Gruß reagiert oder mich irgendwie anderweitig (ja, mancherorts bekommt man ein Getränk angeboten, wenns heiß ist und etwas länger dauert, doch, doch) zur Kenntnis genommen. Und als ich dann dran war, hat ein älterer (also ... noch älter als ich) Herr, der mindestens eine Viertelstunde nach mir gekommen ist, behauptet, vor mir dagewesen zu sein ... und bekam selbstverständlich vom Filialleiter Recht, der das -so sagte er!- genau beobachtet hätte. Entweder war seine Brille nicht gut oder er hat mich angelogen: Beide Fälle gehen im Gedankenspiel nicht gut für ihn aus. Also ab mit unfreundlichen Grüßen.

Ungefähr eine halbe Stunde später hatte ich ein neues Gestell ausgesucht, war vermessen und wieder draußen - beim Optikhandwerker. Bei dem war es übrigens ganz problemlos möglich, einfach nur eine Brille ohne viel Gedöns zu kriegen ... schaumamal, die Brille ist ja noch nicht fertig.

Aber nicht daß man meint, beim handwerklichen Optikfachgeschäft sei automatisch alles gut ... auch dort hat man Erlebnisse, die einem an der Vernunft der Welt und mancher ihrer Bewohner zweifeln lassen: Es war zB ein Bügel einer blauen Lesebrille gebrochen ... alles kein Problem und nur eine halbe Stunde später durfte ich die Brille wieder in Empfang nehmen ... 20€ wollte der Herr Seniorchef persönlich und der Bügel war ... BRAUN!

Da es eine LESE- und keine BLINDENbrille war, habe ich das aber doch recht schnell gemerkt ... Trickreich gelöst wurde das dann von einem Handwerkskollegen, der "Schaumamal" sagte und schlauerweise einfach zwei ziemlich gut passende blaue Bügel angebracht hat, für insgesamt 5€.

P.S.: Einen "arabisch aussehenden" findet man auch nicht. (OK, verständlich, wär ja auch blöd, wenn ein bebrillter arabisch aussehender Mann auf Anfrage eines Sicherheitsbeamten, ob er Sprengstoff mit sich führt, mit "Viel, Mann" antworten täte ....)

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