30.06.2013

The lazy bastard living in a suit

Mannheim, SAP-Arena, Horden von rüstigen Mittfünfzigern, die Frauen in teilweise abenteuerlichen Gewandungen, die sie ansonsten nur zum Fasnachtszug anziehen würden. Dazwischen das eine oder andere verlebte männliche Gesicht mit langen, aber schütteren ergrauten Haaren und auffällig viele Herren mit Jacket und grauen Pepitahütchen.Die Jugend liegt ein paar Jahrzehnte zurück, aber irgendwie wollen die Leute einen jugendlichen Eindruck machen.



Leonard Cohen, Manheim 2013, "Suzanne"
Grund dafür ist ein noch viel älterer Herr, ebenfalls in Anzug und Pepitahütchen, der aber einen jugendlicheren Eindruck macht als viele der Anwesenden: Leonard Cohen, mittlerweile fast 80 Jahre alt.

Der alte Mann hat knappe 3 Stunden auf der Bühne gestanden und seine (im übrigen auf den Zentimeter einstudierte) Show abgezogen. Klar, daß er zwischendurch mal das eine oder andere Atempäuschen eingelegt hat. Aber das gab dann seinen Musikern die Gelegenheit, sich zu zeigen. Und das sind TOP-Musiker, jeder einzelne hätte sein eigenes Konzert vor 10.000 Leuten verdient.  
Ich möchte vor allem Roscoe Beck (Bass) und Alexandru Bublitchi (Violine) hervorheben, aber noch viel weiter hervorzuheben ist Javier Mas (diverse gitarrenähnlich Instrumente), der unfaßbar gut ist.  Die ansonsten gerne hochgelobten Hupfdohlen Backgroundsängerinnen fielen gegen diese Qualität stark ab.

Mit den Erwartungen des Publikums, die eigene Jugend romantisierend nochmal aufleben zu lassen, diesen übergroßen Schatten der Vergangenheit, damit geht er souverän um: Knappe 3 Stunden, voll mit Klassikern im alten Stil, Klassiker neu arrangiert und vom Anfang an vielen recht neuen Liedern, die einen ganz anderen Cohen zeigen wie die Klassiker. Ist es die Weisheit des Alters, die ihn nach der Pause selbstironisch als den Meister des Dreifingerystems auf dem Kinderkeyboard auftreten läßt? 

Ich bin froh, daß ich das noch erleben durfte!   


UPDATE: Einen Link zu einem Video vom Mannheimer Konzert gibts hier: KLICK

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