11.07.2015

Wie sich der lokale Einzelhandel in einer Stunde gleich zweimal blamiert

Und wieder zwei eklatante Fälle von DAS MERK ICH MIR

Man geht ja in der kleinen Stadt gerne zum lokalen Einzelhandel. Damit der gestützt wird, damit das Geld lokal im Umlauf bleibt, damit man das eine oder andere Schwätzchen halten kann, damit man in der Stadt noch ein wenig Leben hat und aus was für Gründen immer. 

Aber manchmal bereut man das. Und wie. 

Fall 1: Am 23.5. also vor über 6 Wochen habe ich die alte Taschenuhr meines Großvaters zum Uhrmacher gegeben. Eigentlich wollte ich nur ein neues Glas, aber der Uhrmacher meinte, man sollte sie doch ein wenig überholen und da er einen vernünftigen Preis nannte, war ichs damit zufrieden. 

Nach drei Wochen sagte er mir, daß leider wegen des Poststreiks das Glas abgeschickt aber noch nicht da sei. Kann man nix machen, Poststreik war ja wirklich, aber wie er sich noch darüber ausgelassen hat, daß diese undankbaren Postler ja die Existenz der Unternehmer gefährden statt sich darüber zu freuen, daß Leute für anständige Löhne streiken, damit sie dann bei ihm anständige Waren kaufen können, konnte ich natürlich mein loses Mundwerk nicht halten und habe ihm gesagt, daß es auch a) andere Meinungen zum Streik und b) andere Zustelldienstleister gibt. 

Screenshot ebay, 11.Juli 2015
Heute wollte ich die Uhr abholen. Der Poststreik war ja vorbei, das Glas sollte da sein und das Anbringen des Glases sollte eine Sache von Minuten gewesen sein. Aber nein: Der Meister selber war nicht da, seine Frau und eine Mitarbeiterin haben die Uhr lange gesucht und offenbar nicht gefunden. Jedenfalls teilte mir die Frau des Meisters lächelnd und im Brustton der Überzeugung mit, das Glas sei noch nicht da und so weiter, die unzuverlässigen Lieferanten und so. Ich verwies dann auf das Datum, die Vorgeschichte mit dem abgeschickt und dem Poststreik und darauf, daß der Poststreik doch vorbei sei. Sie hat dann nochmal gesucht und tatsächlich die Uhr gefunden, allerdings bei den unfertigen Aufträgen. Und zwar MIT dem doch noch gar nicht angelieferten Glas drauf.  
Was für eine herrlich peinliche Situation vor Kunden!  Erst so lächelnd überzeugt und dann ... alles ganz anders. Was habe ich innerlich gelacht! 
Aber das war noch nicht das Ende der Peinlichkeit: Sie konnte mir nicht sagen, ob die Uhr fertig sei, aber sie wollte sie mir trotzdem für den vollen Betrag sofort mitgeben. Und diese Peinlichkeit dann auch noch vor Kunden - ich habe den Laden noch nie so bevölkert erlebt wie heute. 
Und gerade so als hätte sie meine Unzufriedenheit bemerkt, legte die Frau des Meisters noch Wert auf die Feststellung, daß sie sogar Kunden aus Hannover(!) habe! Daraufhin mußte ich ihr leider sagen, daß sie darauf wohl auch angewiesen sei, weil daheim hätte sie jetzt einen weniger. 

Ab einem gewissen Zeitpunkt der Unterhaltung habe ich, wie man mich kennt, vernehmlich aber höflich Wert darauf gelegt, daß die anderen anwesenden Kunden auch ihren Spaß hatten. 
 Irgendwie kann ich jetzt nachvollziehen, warum Nachbarsleute an diesem Uhrmacher kein gutes Haar lassen und ihn letztens sogar den "Uhrkaputtmacher" nannten.  

Wenn jemand nur ein Uhrenglas braucht: Uhrengläser in großer Auswahl und billig gibts bei ebay. 
Für größere oder komplizierte Uhrenreparaturen empfehle ich guten Gewissens einen Uhrmachermeister in Bad Orb. Ob der auch Kunden aus Hannover hat?

Fall 2:  Irgendwann vor Pfingsten hat uns jemand Eichbaum Braumeister Limonade vorgesetzt, den Kindern hats geschmeckt. Zumindest haben sie sich gefreut, daß sie jetzt auch aus der Bügelflasche trinken dürfen. Also inneren Schweinehund überwunden (so von wegen das kommt ja aus Mannem, das Zeug) und nix wie hin zum lokalen Spaßmacher bzw. Getränkehändler und bestellt. Wurde im Laden sogar schon groß beworben, das neue Produkt, man bekam sogar einen Strohhut der Brauerei als Belohnung für die Bestellung. 

Und was passiert? Nix. Bis heute nicht angekommen. 
Man hat uns heute erklärt, daß das ja ein neues Produkt sei, wo man nicht wisse, wie es läuft und daß man daher mit der Bestellung bei Eichbaum warten würde, bis eine ganze Palette zusammenkommt. Die Brauerei sei ja auch sowas von unflexibel.
Solange wollte wir dann nicht mehr warten, also haben wir die Bestellung storniert. Sie war schön ordentlich in einem Ordner abgeheftet, zwischen mehr als einer Handvoll anderer Bestellungen für dasselbe Produkt. 

Also, gaaaanz laaaangsam nochmal zum Mitdenken: 
  • Da gibt es eine Brauerei, die einem Händler Werbemittel zur Verfügung stellt, also gerne über genau diesen Händler etwas verkaufen würde.
  • Da gibt es mehr als eine Handvoll Kunden, die das Produkt gerne kaufen würden.  
  • Diese Kunden sind also vom Produkt bereits überzeugt. 
  • Und die kommen auch, wenn der Kasten leer ist, wieder und kaufen das Produkt wieder. Und vielleicht auch noch andere Produkte. 
Wo also ist das Risiko? Das ist doch billig verdientes Geld, weil die Kundenakquise schon gelaufen ist. Muß man eigentlich den heutigen Kaufleuten immer erklären, wie einfach man Geld verdienen kann? Wenn man denn nur bereit wäre, einen Finger krumm zu machen. Im November braucht das Zeug kein Mensch mehr.

Als Kunde kann ich auch zum Wettbewerber fahren und Faßbrause einer regionalen Brauerei kaufen. Hab ich getan.
Oder die Eichbaum-Ware übers Internet ins Haus liefern lassen. Hab ich eben einen Anbieter gefunden.


Ach, schon wieder dieses böse Internet, das den armen Kaufleuten die Kunden wegnimmt. Sogar die Kunden, die schon im Laden sind! Man sollte das Internet verbieten oder nur noch zum Pornoschauen zulassen! 

Dabei könnte man so einfach durch kompetente Beratung und gute Leistung gegenüber der Servicewüste Internet punkten. Die Leute wollen einfach nicht. Ach, "es ist alles so hoffnungslos" [Jan B. aus H]. 

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