12.08.2017

Ein seltsames Menschenbild

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Cheshire Cat, Bildautor: Daniel Schwen, Lizenz: CC BY-SA 3.0
scheint der stets grinsende Mann aus der STIMME zu haben, dessen Gesicht immer über dem Kommentar der Samstagsausgabe zu sehen ist. 

Der Mensch besteht für ihn offenbar nur aus Arbeiten und Geldausgeben - das liest man jedenfalls aus seinem heutigen Kommentar heraus. Es sei zwar "ärgerlich", daß das Krankenhaus geschlossen wird, aber was solls: Dafür gibts ja viele Arbeitsplätze und eine ganz tolle Hauptstraße - ein "Schmuckstück"!
Und der Zweck einer Stadt ist für ihn offenbar einzig der, möglichst viele Menschen zum Einkaufen anzuziehen, auch und besonders von "auswärts".

Ja, so ist nunmal das neoliberale Menschenbild: Der Mensch wird reduziert auf seinen Beitrag zum ungehinderten Kapitalfluß, zum sogenannten Wirtschaftssubjekt. Kann der Mensch das Geld nicht mehr fließen lassen, zB wenn er krank ist, dann ist das in der Tat ärgerlich, denn dann trägt er zum Kapitalfluß nichts mehr bei und kann daher in jeglicher Hinsicht vernachlässigt werden. 

Und dann wird auch der Appell verständlich: Nicht hadern, Hacken zusammen und weiterdienen Geld ausgeben!

Und wenn er weiterhin so schöne Stimmung macht, dann werden bestimmt auch die Anzeigen in der Stimme besser verkauft ... 


PS: 
Kommt einem beim Lesen des Kommentars in der Print-Ausgabe die Galle hoch, wird es in der Internetausgabe der Stimme allerdings geradezu komisch: 

Screenshot von http://www.stimme.de/hohenlohe/, 12.08.2017 gegen 12:00



06.08.2017

22.07.2017

Tendenzpresse am Werk

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Bildzitat: Hohenloher Zeitung vom 22.07.2017
Ausgerechnet der Schreiber, der in der Krankenhausdebatte mit der größten Unkenntnis (ich erinnere nur an seine Einschätzung des Abstimmungsergebnisses vor der Abstimmung zur Trennung von Heilbronn) geglänzt hat, schreibt heute den nebenstehenden "Kommentar". 

Wo über viele Monate die ganzen ordentlich recherchierten Sachargumente an Landrat und Presse, also auch und ganz besonders an IHM, wie an einem Teflonüberzug abgeperlt waren, fordert ausgerechnet ER "mehr Sachlichkeit" ein. 

Ach, hätte die Stimme doch von vornherein echten Journalismus betrieben, hätte ER recherchiert (bei so einer Geschichte, da muß doch jedem Journalisten das Herz aufgehen!) und die Rechercheergebnisse für die Leser aufbereitet ... aber nein ...

Ach, hätte die Stimme ohne sich selber politisch belasten zu müssen einfach die vielen sachlichen Leserbriefe oder zumindest eine Story über die Anzahl der Leserbriefe veröffentlicht ...


Autor: Holger.Ellgaard Lizenc CC BY-SA 3.0
Aber daß ausgerechnet dieser Mann sich jetzt erdreistet, Zitat: "Es reicht", anderen das Wort  verbieten zu wollen? 
Meint er etwa, ein  Meinungsmonopol zu haben?
Dieser "Kommentar" ist  einfach nur unfaßbar. Ein ganz arg unwürdiger Abwiegelungs- und Beschwichtigungs- "journalismus" ist das. Wenn ich so einen Beitrag lese, dann warte ich nur darauf, daß bald wieder das Gejammere über den Abonnentenverlust und den Anzeigenverlust und das böse Internet losgeht ...

Der einzige, der hier nicht mehr ganz ernst zu nehmen ist, das ist doch Schreiber des Kommentars,   

dessen Namen ich hier ganz bewußt nicht nennen will.

Und warum nur mußte ich beim Lesen dieses "Kommentars" sofort an Franz-Josef Strauss denken? 


P.S.: Ob ich mich vielleicht dort mal bewerben soll? Oder gehts da eher um die klassische Stilblütenberichterstattung von der Zuchteberprämierung, also sowas wie die Bildunterschrift "Ortsvorsteher Huber (Mitte) mit den prämierten Zuchtebern Kevin-James und Harald"? Und ob ich die hohen Anforderungen an das fotografische Talent auch nur annähernd erfüllen könnte? 

P.P.S: Und das Wort "hasserfüllt". Das wird dem Ralf-Uwe Heer bestimmt nicht gefallen. Das ist ja polemisch und sowas wollen wir hier nicht.  

21.07.2017

Dieser Moment, wenn

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der Mitarbeiter eines Telefondienstleisters, mit dem man gerade im Chat etwas bespricht, den Satz 
Ich habe hier leider kein Telefon
schreibt ... 

20.07.2017

Vertrauen ist der Anfang von allem

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Mit diesem Spruch warb die Deutsche Bank vor Jahren in allen Medien - wie man den interpretieren, mißinerpretieren und letztlich verspotten kann und was dabei herausgekommen ist, ist leidlich bekannt. Und genaugenommen war dieser Satz das eigentliche Thema der gestrigen Veranstaltung im Epylog - und deshalb will ich mal die ganzen sachbezogenen Beiträge weglassen (vielleicht irgendwann mal mehr dazu) und mich auf das Thema "Vertrauen" konzentrieren: 



In einem hochemotionalen Redebeitrag sprach Gudrun Struve, Stadt- und Kreisrätin in der CDU-Fraktion, über das "Vertrauen". Über das überaus große Vertrauen, das sie gegenüber dem Landrat Dr. Neth und seiner Politik empfindet und von dem Vertrauen, das sie von den Bürgern gegenüber ihrer Arbeit in den Vertretungen einfordert - und man merkte ihr an, daß dieser Beitrag aus tiefstem Innern kam und absolut aufrichtig war. 


Aber trotzdem: Sind Abgeordnete etwa gewählt, um dem Bürgermeister oder dem Landrat zu vertrauen? 
Eher nicht, denn sie sind gewählt, um den beiden auf die Finger zu schauen! Auch wenn diese Kontrollfunktion in der Regel und  sinnvollerweise auf einer vertrauensvollen und konstruktiven Ebene durchgeführt wird, sind die Kreisräte trotzdem nicht Gefolgsleute des Landrats sondern im Besonderen sein Kontrollorgan! 

Die parlamentarische Kontrolle der "Regierung" ist essentielle Aufgabe jedes demokratischen Parlaments, also auch die des Kreistags des Hohenlohekreises.



Der Kreistag und seine Mitglider sind von den Bürgern direkt gewählt, der Landrat nicht. Die Kreisräte und Kreisrätinnen sind also diejenigen, die die Interessen der Bürger auch gegen die Interessen der "großen Politik", also der Politik, die noch über dem Landrat kommt und gegen die sich gerade unser Landrat Dr. Neth eben nicht zur Wehr setzen mag oder können will, vertreten muß. Dafür wurden sie gewählt. 
Das zum gestern gerne und häufig benutzten Wort "Demokratie". 

Insofern ist aber das von Ihnen, Frau Struve, geäußerte überaus große Vertrauen nicht unbedingt Ihrer Aufgabe entsprechend. Und Ihr Eindruck, daß man Ihnen nicht mehr vertraut, der mag sich genau daraus ergeben: Daß bei Vielen offenbar der Eindruck entstanden ist, sie übten Ihr Amt möglicherweise nicht so aus, wie es der Bürger erwarten darf -die Lautstärke bei Ihrer Wortmeldung spricht Bände!-, stärkt das Vertrauen in Ihre Arbeit und auch in Ihre Person nicht wirklich.


Sie wurden demokratisch gewählt, hatten also zum Zeitpunkt der Wahl das Vertrauen vieler Bürger. Aber Vertrauen ist nicht statisch, sondern wie ein scheues Reh: ganz schnell verschwunden. Das  Vertrauen muß man sich immer wieder verdienen - und wenn Sie schon selber den Eindruck haben, daß man Ihnen und Ihrer Arbeit nicht mehr vertraut, dann könnte das schon ein Grund zum Nachdenken sein.



Und genauso gilt das auch beim Landrat Dr. Neth: Zwar ist er nicht von den Bürgern gewählt sondern vom Kreistag, aber wenn jemand neu in ein Amt kommt, bringt man diesem Menschen natürlich auch ein gewisses Grundvertrauen entgegen. Und auch dieses Vertrauen kann man verlieren, man kann es aber auch weiter ausbauen. Leider - und das Ergebnis konnte man gestern beobachten - hat es "unser" Landrat geschafft, den ihm gegebenen Vertrauensvorschuß massiv zu zerstören.



Und genau das kam gestern bei der Veranstaltung der stimme im Epylog ganz klar zur Sprache: Die Bürger vertrauen dem Landrat Dr. Neth nicht mehr, gar nicht unbedingt wegen der Schließung des Krankenhauses an sich sondern vor allem wegen seiner (kann man das überhaupt so nennen?) Kommunikation in dieser Sache. Sie fühlen sich nicht mit einbezogen, nicht gefragt, viele fühlen sich sogar hintergangen. 
Und leider hatte der Landrat Dr. Neth auch gestern trotz der Erfahrungen aus der Bürgerveranstaltung keine guten Argumente parat, die sein Kommunikationsverhalten in irgendeiner Form nachvollziehbar machen:



  • Die Bürger bei Elementaren Lebensbedürfnissen - und dazu gehört Krankheit und auch das Sterben sicherlich - mit derselben Empathie zu behandeln wie bei der Diskussion über eine Mülldeponie - das ist erschreckend 
(Einschub: das empfinde ich nicht als Polemik, Herr Heer - schließlich hat man ja für die Bürgerveranstaltung sogar denselben Moderator wie beim Thema Mülldeponie gerufen - nachzulesen in der Stimme. Das Wort Polemik hat für mich auch keinen so negativen Beigeschmack wie offenbar für Sie - dabei ist doch das Schreiben eines schönen polemischen Artikels geradezu eine journalistische Kunstform! )
  • Bei der Behandlung von Elementaren Lebensbedürfnissen schlussendlich doch immer wieder vom Thema Mensch auf das Thema Geld zu kommen - das ist erschreckend
  • Mit den Menschen über diese Elementaren Lebensbedürfnisse überhaupt nicht zu sprechen, mit der fadenscheinigen, aber mantrahaft wiederholten Begründung, daß sich die böse Welt doch sowieso andauernd ändere und dann das, was man heute sagt, morgen über den Haufen geworden sein könnte - das ist erschreckend.
  • Das führt natürlich dazu, daß man den Bürgern weiterhin ohne jegliches sichtbare und nachvollziehbare Zukunftskonzept gegenübertritt - das Konzept könnte ja morgen schon hinfällig sein, dann also lieber gar keines (und dabei hatte mir der Minister Lucha doch noch eigenhändig zugesichert, daß es "Überlegungen im Hohenlohekreis" gebe und daß er diese kenne. Hat der Minister die Personen verwechselt?). Genaugenommen diente ja die Bürgerveranstaltung dazu, die Bürger durch Herrn Schopf (Nichts Böses über ihn: Er war ja nur der Überbringer der schlechten Nachricht seines Dienstherrn) darauf vorbereiten zu lassen, daß die Barrieren für eine irgendwie geartete medizinische Versorgung jenseits von Arztpraxen eigentlich sowieso unüberwindbar sind  - das ist erschreckend.
  • Weiterhin jegliche Verantwortlichkeit für den ganzen Schlamassel weit von sich zu weisen und die Verantwortung bei wechselnden anderen, bei "der hohen Politik" (mehrere Bundes-und Landespolitiker schieben seltsamerweise die Verantwortung auf die Verantwortlichen des Kreises - sehr merkwürdig), bei "medizinischen Entscheidungen" und nicht zuletzt sogar den allgemein widrigen Umständen zu suchen - das ist erschreckend.
  • Ohne jegliche Sensitivität als von außen Kommender uralte Gräben wieder aufzureissen, die man als längst zugeschüttet glaubte - das ist erschreckend. 
  • Gestern einzugestehen, daß man vielleicht mit der Behandlung der Themen "Krankenhaus" und "Neubau Landratsamt" in derselben Sitzung ungeschickt agiert habe und damit seinen Widersachern Vorschub geleistet zu haben - das ist erschreckend

Ganz neu war gestern die Aussage von Dr. Neth, daß die im Laufe der Diskussion immer wieder vorgebrachten ehemaligen Gewinne ja ohnehin nur durch den Gehaltsverzicht der Mitarbeiter zustandekommen wären ... die Schlußfolgerung liegt nahe, daß er  uns damit sagen wollte, daß andernfalls das Thema Krankenhaus Künzelsau sowieso schon lange vor seiner Zeit vom Tisch ... - das erschreckte dann schon fast keinen mehr: Die einen waren empört, die anderen schlicht fassungslos still.


Diese Bilanz der bisher kurzen Amtszeit des Landrats Dr. Neth ist schon außergewöhnlich - und der Verlust des Vertrauensvorschusses ist sehr nachvollziehbar. Ein Landrat, der derart konsequent in alle Fettnäpfchen tritt, die er teils auch noch selber aufgestellt hat, der muß sich darüber, daß er über keinen Rückhalt in der Bevölkerung verfügt, wahrlich nicht wundern.



Wie gesagt: "Vertrauen ist der Anfang von allem" - am Anfang steht Vertrauen, blindes Vertrauen führt aber zur Katastrophe und am Ende kann man über das Wort "Vertrauen" nur noch spotten - dafür steht beispielhaft die Geschichte der Deutschen Bank und ihrer Kunden. 



Ganz kurzes Ergebnis der Veranstaltung: Das Vertrauensverhältnis zwischen Landrat und Bürgern ist massiv gestört. Das ist eine sehr schlimme Situation, die der Landrat Dr. Neth aber selber herbeigeführt hat - und ich weiß beim besten Willen nicht, wie er diese Kuh vom Eis bringen will: Die Aufgabe von Landrat Dr. Neth kann es jetzt (nein, eigentlich nicht erst jetzt, aber die Vergangeheit ist vorbei) nur noch sein, die Initiative zu ergreifen und mit den Menschen (und, nein: das heißt nicht, medial begleitet beim JU-Stammtisch aufzutauchen) ins Gespräch zu kommen, ihre Sorgen zu begreifen, um sich wenigstens das allernötigste Mindestvertrauen wieder zurück zu erarbeiten. Hoffentlich hat er wenigstens das verstanden, ansonsten wird seine Amtszeit mit einem Scherbenhaufen enden.
Zwar hat er mir versprochen, "im Herbst" eine weitere Veranstaltung zum Thema zu machen … aber es gab ja schon viele Versprechungen, man mag ihm - und das aus Erfahrung, nicht aus Vorurteil! - eigentlich nichtmal mehr bei solchen kleinen Aussagen vertrauen - und auch daß ich so mißtrauisch reagiere, ist eigentlich  erschreckend.  
Bürgerschaftliches Engagement gibt es genug! Die Menschen wollen und wollten sich einbringen (so forderte es ja Frau Struve)  - aber Dr. Neth will diese Angebote der Bürgerschaft partout nicht annehmen, obwohl die Bereitschaft der Bürgerschaft zum Einbringen bei über 30 Demonstrationen und bei einigen sonstigen Veranstaltungen immer wieder gezeigt wurde - wie kann man sowas nur übersehen? 


Es ist einfach nur traurig ... 

Es ist auch traurig, wie sehr in der Presse das ganze Thema dahingehend behandelt wird, daß vereinzelte böse Worte 
 (Und noch ein Einschub, speziell für Herrn Heer: Die Bedeutung des von Ihnen sogar im Artikel inkriminierten Worts hinterfotzig sollten Sie einmal nachschlagen: Es bedeutet nämlich, daß sich hinter einem nach außen gezeigten freundlichen Gesicht (ja, genau, da steckt das Wort Gesicht dahinter, aus dem bayrischen) ein weiteres verbirgt, das man nicht sieht, meist eher ein unfreundliches, fratzenhaftes. Und daher war dieses Wort im Zusammenhang absolut zutreffend. Als Journalist sollte man mit Sprache schon spielen können - oder es zumindest anerkennend hinnehmen, wenn mit Sprache gespielt wird.)
gefallen seien und man daher auf die berechtigten Sorgen der Bürger nicht mehr eingehen muß. Die Emotion von Frau Struve wird wohlwollend dargestellt, die Emotion der Bürger wird mit deutlichem Mißfallen kommentiert. Mit der Berichterstattung über das Krankenhaus wird die Stimme ganz sicher keinen Journalistenpreis gewinnen. 

Bei Dürrenmatt heißt es "Eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat." Ich hoffe nur, daß es uns allen noch gemeinsam gelingen wird, den Bürgern UND den politisch Verantwortlichen, das zu verhindern.



Aber bei Dürrenmatt steht natürlich auch: "Die schlimmst mögliche Wendung ist nicht voraussehbar. Sie tritt durch Zufall ein." Für den Krankenhausstandort Künzelsau ist die schlimmst mögliche Wendung bereits eingetreten, da kann der Zufall gar nicht mehr eingreifen ....

10.07.2017

Fremdwörter einfach erklärt

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Person 1: "Bei manchen Leuten kommen halt Dummheit und Faulheit in idealer Weise zusammen."
Person 2: "Synergie nennt man das."

04.07.2017

Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.

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Am Montag, den 3.Juli fand sie dann statt, die lange erwartete "Bürgerveranstaltung", in der der Landrat Dr.Neth endlich die Bürger über die Pläne zur medizinischen Versorgung von Künzelsau informieren wollte.
Das war zumindest die Erwartung, die aber schon im Anfangswortbeitrag des "Moderators" Bauer von einem mir bis dato unbekannten "Umweltinstitut Tübingen" (?) zunichtegemacht wurde. Denn,  so stellte sich schnell heraus: 
Der Kaiser ist ja nackt!  Der Landrat hat ja gar kein Konzept! 

Es sollte so eine Art Brainstorming darüber werden, was die Bürger wollen, so richtig mit gelben Moderationskärtchen und sofortiger Auswertung ... mit 350 (die Zahl entstammt der STIMME) Leuten ... unfaßbar für jemanden, der schon diverse Braistormings erleben und durchführen durfte. 
Sind die vielen Berater mit ihrem Latein so am Ende, daß jetzt als letzte Rettung die Bürger befragt werden sollen? 

Also schon heftiges Kopfschütteln, noch bevor die Veranstaltung richtig in Gang kam. 

Vorab noch ein paar Worte zum "Moderator": Ein Mensch, 
  • der konzept- und hilflos auf der Bühne herumlief wie im berühmten "ministry of silly walks"-Sketch, 
  • der das Mikrofon nicht im Griff hatte, 
  • der überhaupt keine Autorität ausstrahlte (deshalb sind ihm sowohl die Akteure auf der Bühne als auch das Publikum auf der Nase herumgetanzt)
  • der die von ihm selbst mitgebrachten Informationen nicht interpretieren konnte: Er behauptete zB daß die Daten im "Krankenhaus-Simulator" unkorrekt seien, weil der Hohenlohekreis 20.000 Einwohner weniger hätte als dort angegeben. Daß dort aber gar nicht der Hohenlohekreis sondern der gesamte potentielle Einzugsbereich des Hohenloher Krankenhauses angegeben war, hat er nicht verstanden.
  • der Aussagen aus dem Saal sinnentstellt an die Bühne weitergab (die Sache mit den "guten" 50%, bei der ich dann lautstark und völlig ohne Mikrofon einschreiten mußte)
der der Veranstaltung einfach nicht gewachsen war und der schlußendlich seinen Anteil am Mißerfolg (gemessen an den anfangs von ihm selber genannten Zielen) beigetragen hat. 

Der Eingangsbeitrag von Dr.Neth begann dann mit einem flachen Witz über das Publikum (wer hat diesen Mann eigentlich beraten?), nach welchem dann das Publikum spontan nochmals eine Stufe skeptischer wurde. 

Ansonsten sagte Neth nichts Neues, also nichts, was er nicht schon öfter verlautbart hatte: Es ginge einzig um die medizinische Qualität. Aber argumentiert hat er immer nur mit Geld oder mit externen Anforderungen, nie mit Qualität. Daß man offenbar, wie andernorts schon vermutet, wirklich vom großen Geld geblendet war, zeigte eine Aussage Neths gegen Ende der Diskussion: Man habe doch das Fördergeld unbedingt annehmen müssen, denn sonst wäre es bekanntlich nach Lörrach gegangen. Eigentlich unfaßbar, so eine Aussage. 

Noch viel unfaßbarer allerdings ein sprachlicher Fauxpas während seines Eingangsbeitrags, als er von "seinem" Kreistag sprach. 
Nein, Herr Neth, das ist genaugenommen "unser" Kreistag und auch Sie sind "unser" Landrat - sowohl Sie als auch "ihr" Kreistag sind nämlich von uns gewählt. Aber diese Wortwahl ist bezeichnend und paßt genau in das Bild, das Sie mir seit Monaten vermitteln: das eines Mannes, der sich nicht als vom Volk gewählter Vertreter sieht sondern als sein Herrscher im alter Gutsherrenmanier. 
Und so sind auch die Worte "Zumutung für die Demokratie" und "politische Verwahrlosung", die aus dem Publikum gefallen sind, durchaus nachvollziehbar.
Ich nenne das, im Angedenken an Wieschemann, ein "Defizit an Demokratieverständnis". 

Jedenfalls kam die Eingangsrede des Landrats nicht gut an, der Unmut war deutlich und sogar der "Moderator" mußte auf die Glaubwürdigkeit des Landrats eingehen - dies zog sich durch die gesamte Veranstaltung, das Thema "Glaubwürdigkeit" war geradezu eine schallende Ohrfeige für den Landrat. 

Nun, so gut wie alle Argumente, die Neth vorbrachte, waren sehr leicht angreifbar: Man hat damals kein Krankenhaus bei Kupferzell gebaut, weil man dann ja gleich nach Hall fahren könnte. Hall oder  Öhringen ... da wird man auch in Zukunft leicht nach Hall fahren können. Und viel mehr argumentative Qualität gab es nicht ...

Ganz ganz schlimm -und hier ist für mich tatsächlich heftiges Fremdschämen angesagt!- aber, daß er jegliche Verantwortung weiterhin auf andere abschiebt: Die böse Politik des Bundes und des Landes einerseits und natürlich (dieses Argument war mir allerdings neu) medizinische Entscheidungen des verantwortlichen medizinischen Personals, die selbstverständlich keine politischen Entscheidungen waren andererseits ... und zwischendrin der arme Landrat, aufgerieben und handlungsunfähig, der alles nur abnicken muß (da ist es schon geradezu ironisch, daß mich heute  ein Brief des GRÜNEN MdB Ebner erreicht, der eben diese Verantwortung nicht der Bundes- und Landespolitik sondern dem Landrat bzw den Kreisräten zuschiebt ... ).
So ein Verhalten eines gewählten Volksvertreters, der eigentlich mit breitem Kreuz die Interessen der Bürger vertreten sollte, ist einfach nur noch traurig. Man möchte ihn in den Arm nehmen und ihm ganz leise zuflüstern, ob er er sich das Ganze  eigentlich noch antun mag ... nicht, daß er sich noch gesundheitlich zugrunderichtet!

Ein wenig mehr Sachlichkeit kam bei den Vorträgen von Hr.Heer (DRK), Frau Dr. DrHaack-Erdmann (Gesundheitsamt) und vor allem von Hr. Schopf (Geschäftsführer der Hohenloher Krankenhaus gGmbH) auf. Alle Vorträge kamen genaugenommen zu dem Schluß, daß durch die Schließung des Krankenhauses große Investitionen notwendig sind. 
Vor allem die Aussagen von Jürgen Schopf lassen aufhorchen, denn es wurde folgendes klar: 
  • Es gibt definitv kein Konzept für ein "MVZ" oder was auch immer. 
  • Die Hürden für eine irgendwie geartete zentrale Versorgung in Künzelsau sind extrem hoch - so haben wir (Einwurf von Dr.Lany) formell eine Überversorgung von Ärzten, sodaß alle Maßnahmen, die eine Zustimmung der Kassenärztlichen Vereinigung erfordern, doch sehr fraglich erscheinen. (Wie es scheint, wußte HrSchopf von der Überversorgung nichts ...) 
Viele schöne Ideen zeigte HrSchopf auf ... aber leider auch viele hohe Hürden - vorbereitet ist offenbar noch gar nichts. Ideen sind aber leider Schall und Rauch. 
Wollte man uns mit diesem Vortrag darauf vorbereiten, daß Künzelsau im Endeffekt mit leeren Händen dastehen wird, weil die böse Welt alle gutmeinenden Ideen verhindern wird?

Die Politik des Landrats des Hohenlohekreises erinnert doch sehr an ein altes Lied von Marius Müller-Westernhagen

Mach dir keine Sorgen, es wird schon weitergeh'n
Wir werden uns was borgen und wieder jung ausseh'n
Fuer ein paar neue Kinder ist es jetzt eh zu spaet
und hoer' auf zu fragen, wie dieser Film ausgeht!
Keine Ahnung, keine Meinung, kein Konzept
A propos "Wir werden uns was borgen": Das neue Krankenhaus  kostet ja etwa doppelt so viel wie der Landeszuschuß, man muß also ca. 50 Mio finanzieren (und da sind die Investitionen für das fiktive MVZ in Künzelsau noch gar nicht enthalten, wie wir lernen durften) ... als HrSchopf meinte, daß es Indikatoren gäbe, daß man sogar billiger würde, kam ein von Herzen kommendes und völlig unironisches befreiendes Gelächter auf und selbst der "Moderator" nutzte den Moment, um HrSchopf daran zu erinnern, daß wir schließlich in Deutschland sind. 

Völlig hilflos wirkte Neth übrigens, als er mehrfach erklärte, warum er die Bürger nicht informiert hätte ... er wollte doch immer "an die Bevölkerung herantreteten", wenn es etwas Klares zu berichten gäbe ... 
Erstens kann man Menschen auch in Prozesse einbinden, sie "abholen" und sie "mitnehmen" nennt man das, und zweitens: Warum dann die gestrige Veranstaltung? Es gab doch immer noch  nichts mitzuteilen?  Sehr widersprüchlich, das Ganze.

Gegen Ende kamen dann auch die Fragen auf, die sich aus der Diskussion zwangsläufig ergeben haben: 
  • Wie lange wird sich Öhringen halten können, wo doch die böse Politik ständig neue Voraussetzungen schafft? 
  • Und warum hat man nicht Künzelsau relativ preiswert modernisiert statt Öhringen teuer neu zu bauen? (Hier kam die Antwort, daß auch das relativ neue Gebäude in Künzelsau plötzlich ziemlich marode geworden sei, was doch Verwunderung hervorgerufen hat.)  
(Und wenn man dann die vom Moderator so abschätzig beurteilten Folien anschaut, fragt man sich, warum man die "Brot- und Butter Medizin", also die Allgemeinchirurgie, nach Öhringen verlagert hat, mit der man den großen Einzugsbereich hätte abgreifen können. Aber das würde jetzt zu weit führen.)  

Fazit: Ein reichlich unsouveräner und im Wortsinne konzeptloser Landrat, der sogar von den auf der Bühne auftretenden fachkundigen Rednern komplett im Stich gelassen wurde, hat es nicht geschafft, das zerstörte Vertrauen, die zerstörte Glaubwürdigkeit auch nur in Ansätzen wiederherzustellen. 
Er hat nicht den Eindruck gemacht, daß er aus dem Kommunikationsdebakel der Vergangenheit gelernt hat und es steht zu befürchten, daß er weiterhin in Gutsherrenmanier agieren wird.




Wie sagts der Dichter?
Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen 
Den Vorhang zu und alle Fragen offen.
Nein, das sind wirklich keine guten Aussichten für den Hohenlohekreis.

PS: Nach der Veranstaltung wartete ein Streifenwagen vor der Stadthalle - hatte der Landrat etwa Befürchtungen?  

Nachtrag 05.07.: 
Der Artikel von Ralf Reichert in der Stimme ist bewundernswert unvollständig und behandelt leider nur einen Teil der Veranstaltung. Den Fragen und Aussagen der Bürger wird wie bei ihm inzwischen üblich kein Platz eingeräumt. Aber über die Stimme und insbesondere den Herrn Reichert rege ich mich nicht mehr auf, sonst handle ich dem Motto "meines" Landrats Neth "Gesünder länger leben" zuwider und da hilft dann auch "Mehr Obst und Gemüse essen" nicht viel.  

Zum heutigen Artikel von Barbara Griesinger ist nur soviel zu sagen: Einem Dialog steht doch vor allem entgegen, daß die eine Seite nichts zu sagen hat außer der Feststellung, daß doch alles entschieden sei.

30.06.2017

Bester Kommentar zur "Ehe für Alle"

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Im Artikel dazu gehts um

Berlin hatte es in den vergangenen beiden Tagen mit sintflutartigen Regenfällen am schlimmsten getroffen. Und die Situation in der Hauptstadt entspannt sich nur langsam.  

Well done 😂

21.06.2017

Kontextsensitive Werbung - Heilbronner Stimme mit Motivtortenköder

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Da schrieb ich doch kürzlich unter anderem etwas über die journalistischen Qualitäten, die die STIMME in den letzten Monaten bewiesen hat und schloß mit den Worten
Zum größten Bedauern konnte ich kein Abonnement kündigen ...
Und was ist heute in der Post? Mit korrekter Adresse und faksimilierter Unterschrift des Chefredakteurs?
Ein Abo-Angebot der Heilbronner Stimme, daß ich sie ein paar Wochen für fast umsonst (d.h. 36,90€ für 8 Wochen, abzüglich zB. eines 15€ Gutscheins fürs Kaufland) beziehen könnte. 




Hat man bei der STIMME etwa meinen Beitrag gelesen und will mir die Gelegenheit geben, bei der nächsten journalistischen Fehl- bzw. Nichtleistung das Abo als Ausdruck des Protestes zu kündigen? 

Oder ging dieses Schreiben doch nicht gezielt an mich sondern an halb Künzelsau, weil zuviele Abos aus Protest gegen die nichtjournalistische Berichterstattung über das Krankenhaus verloren gingen und man jetzt wieder Gutwetter machen will? 

Seis wie sei, stirbt die Kuh, bleibt Dirs Heu  - Herr Heer, nein, ich will die STIMME nicht abonnieren - ich überfliege (zum ernsthaft Lesen ist doch der Inhalt zu dünn) sie im Café zum Espresso - das genügt. Da zahl ich den Preis für die STIMME für den Espresso und kann zum starken Espresso die schwache Zeitung gleich mitlesen ... für dieses Presseerzeugnis will ich nichtmal die 36,90€ ausgeben sondern trage die lieber gleich zum Lebensmittelhändler ... oder ins Café. 

Bei der STIMME wurde die Außenredaktion Künzelsau geschlossen, traditionelle redaktionelle Leistung wird an Hobbyreporter (man nennt die dann beschönigend "Heimatreporter") "outgesourct", man sichert sich nahezu uneingeschränkte Bildrechte von wahrscheinlich nichtsahnenden Hobbyfotografen. Kosten sparen um jeden Preis? 
Und dann wird das Blatt angeboten wie saures Bier ... was soll man davon halten?  

P.S. Selbst der "Workshop zur Einführung in die bunte Welt der Motivtorten" motiviert mich nicht.

16.06.2017

Dieser Moment wenn ....

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die Frau im rosaroten T-Shirt sich ganz vorne in die lange Warteschlange vor dem Abfertigungsschalter am Flughafen einreihen möchte ... mit der Begründung, daß sie das dürfe, weil sie hätte einen Mann gefragt. 

(Es ist beim "möchte" geblieben.)